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Kim trat an die Eistheke und sah sich die verschiedenen Eissorten an. Selten erlebte sie einen so heissen Sommer, der ihr tatsächlich das atmen erschwerte. Es war so heiss in ihrem kleinen Örtlein, dass man sich tagsüber entweder an einem der überfüllten Badeseen aufhielt oder sich den ganzen Tag in die kühle Wohnung verdrückte und statt in der Sonne zu braten lieber den Abend auf der Terasse genoss. Ein kühles Eis war nun die willkommene kurzzeitige Abkühlung. Auf dem Weg zurück zu ihrem Haus fiel ihr diese merkwürdige Stille auf, die sie schon die ganze Zeit begleitete, die sie aber nicht wirklich wahrgenommen hatte, da sie ständig an ihren kürzlich verstorbenen Mailo dachte und ihr Herz blutete. Mailo war ein guter Hund, der sie fast sein ganzes Leben lang begleitet hatte. Auch ihm bekam die Hitze nicht, sein Herz war schwach und alt als er eines morgens nicht mehr aufwachte.

"Seltsam, diese gruselige Stille, gell Mailo?" dachte sie und dann strahlte sie, weil es so albern war immernoch so sehr verbunden mit diesem Tier zu sein, dass sie selbst in ihren Gedanken mit ihm sprach. "Ach Mailo, mein grosser!" sagte sie, als sie die Tür zu ihrem kleinen Häusschen aufschloss.

Kims Häusschen war spärlich eingerichtet, auf dem Holzfussboden stand ein Sofa und ein Sessel, davor ein Tisch, schick dekoriert mit einem kleinen Blumenstrauss. In einer Ecke des Wohnzimmers stand ein kleiner Holzofen desses verrusstes Rohr im Schornstein verschwand. Daneben stand ein grosser Hundekorb. Niemals würde Kim die Treue ihres geliebten Hundes untergraben und ihn einfach vergessen.

Meilo war ein recht grosser, aufmerksamer Hund. Seine Ohren waren immer aufgestellt und seine Augen beobachteten ununterbrochen die Umgebung, wenn er Kim bei ihren Erledigungen begleitete. Sein Fell war dunkelbraun, etwa so wie die Schale der Haselnuss, und es glänzte so sehr, dass man Kim oft frage wie sie das nur macht. Mailo war ihr ganzer Stolz , er war der Grund warum Kim mit ihren 88 Jahren noch so jung wirkte.

"Guten Morgen Frau Pitrowski, es ist ja so schade um Ihren lieben Mailo, wie geht es Ihnen denn?!", fragte die Zeitungsausträgerin am nächsten Morgen. "Ja, wissen Sie, der Mailo war ja auch schon ein alter Hund, und ich bin ja auch nicht mehr so gut auf den Beinen - der Mailo kann sich jetzt ausruhen" , erwiderte Kim und nickte lächelnd. "Frau Pitrowski, machen Sie sich einen schönen,ruhigen Tag, es soll heute wieder sehr heiss werden, ich muss weiter, noch ist es kühl" sagte sie, winkte eilig und schon war sie weg.

Jeden Morgen stand Kim pünktlich auf und wartete auf die Zeitungsbotin, die bis auf Ihre Enkelin, die sie einmal die Woche besuchte, ihr einziger Kontakt war.

Mit der Zeitung in der Hand ging sie in die Küche, in der ihr heisser Tee wartete.

Sie setzte ihre Brille auf, nahm sie wieder ab um sie zu putzen, blätterte die Zeitung auf und überflog die Schlagzeilen während die Luft draussen heisser wurde.

"Soviel Elend auf dieser Welt", murmelte sie. "Mailo?", ein Geräusch erschrak die kränkliche Frau. Genau dieses Geräusch machte doch der Weidenkorb in dem Mailo immer vor dem Ofen schlief. Obwohl er ja nicht da sein konnte stand Kim auf um nachzusehen.

Tatsächlich war irgendetwas anders als sonst. Langsam und voller Furcht ging sie durch die Räume als sie plötzlich wieder etwas hörte. Dieses mal schien das Geräusch von draussen zu kommen. Kims Herz schlug bis zum Hals als sie vorsichtig den Riegel der Haustür zuschob und sich in ihre Küche zurückzog. Noch nie hatte sie so eine Angst gespürt und noch nie hatte sie sich so alleine und verlassen gefühlt. "Mailo, ach Mailo", weinte sie, während sich die Wählscheibe des Telefons drehte. "Ja, Guten Tag Kim Pitrowski, Alte Feldstrasse 6, hier versucht jemand einzubrechen" stotterte die alte Frau in den, mit Samt überzogenen, Telefonhörer als sie ein schrecklich lautes Schreien hörte. Sie zuckte zusammen und traute sich nicht mehr sich zu bewegen. "Es kommt sofort jemand! Beruhigen Sie sich, sprechen sie mit mir"!.. Doch Kim konnte nicht sprechen, denn was sie sah liess sie alle Furcht vergessen. Mailo lag in seinem Korb und sah sie schüchtern an. Sie kniete sich vor ihm hin: "Mailo, wo kommst du denn her? Das kann doch nicht sein!" Alle Angst war verschwunden und sie umarmte ihren geliebten Hund. Ihr Herz wurde so herrlich warm. Das klopfen der Polizei vernahm sie nun nicht mehr.

"Hallo, Polizei, machen Sie bitte die Tür auf Frau Pitrowski, es ist alles gut" Aber Kims Herz hatte aufgehört zu schlagen, sie starb mit dem liebsten was sie besass in ihrem Arm.

Unter einem der Fenster fand die Polizei eine schrecklich zugerichtete Männerleiche. Die Kehle und der Nacken waren total zerfetzt und sie hatte überall riesige Bissverletztungen.

Kim Pitrowski fand man tot in Mailos Korb vor dem nach Ruß duftendem Ofen.

















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